Sonntag, 13 Februar 2011 10:45

Fotostativ selbstgebaut

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Vielleicht sagen einige, jetzt ist wildlifepaparazzo verrückt geworden, mit einem Carbonstativ rumrennen und dann vorschlagen, ein Stativ selbst zu bauen. Die Idee ist alt und kommt aus der Zeit, als ich mit einem Freund überlegte wie man Geld sparen könnte und trotzdem ein stabiles Stativ bekommen könnte.

Ein Stativ ist eigentlich nicht schwer sebst herzustellen, wichtig ist, daß man sich eine massstäbliche Skizze erstellt, in der die persönlichen Bedürfnisse ( Aufbauhöhe, Auflagefläche des Stativkopfes ) berücksichtigt sind. Ein solches Stativ ist sicherlich nicht unbedingt ein Leichtgewicht, aber bei guter Dimensionierung sehr stabil, auf Grund des Baustoffes Holz dämpft es Schwingungen hervorragend. Die hier vorgestellten, nicht massstäblichen Skizzen sind als Anregungen gedacht und zeigen einfache Lösungen für die wichtigsten Stellen am Stativ.
Das Grundproblem beim Selbstbau von Stativen, die metallene Kopfplatte von käuflichen Holzstativen herzustellen, wird dadurch gelöst, daß man die Kopfplatte aus mehrfach verleimtem Mulitplexholz herstellt. Die Festigkeit dieses mehrschichtverleimten Holzes ist völlig ausreichend.
Durch die stufenlose Beinverstellung eignet sich ein solches Stativ sehr gut für bodennahe Aufnahmen.

Seitenansicht Draufsicht
Vorderansicht
nur ein Stativbein gezeichnet, rote Kreuze sind Holzschrauben
zum Befestigen der Teile
Draufsicht
Gut zu sehen die sternförmige Grundplatte, die aus einer
Multiplexplatte mit der Stichsäge gesägt wird.
Abb. 3
Schnitte durch die Stativbeine:
Damit die Pos.4 axsial beweglich bleibt, sollte an den grünmarkierten
Stellen beim Zusammenschrauben dünne Kunststoffplättchen (0,5mm) 
unterlegt werden. Diese Plättchen kann man sich aus Verpackungsmaterial
schneiden oder man nimmt Kantenumleimer für beschichtete Spanplatten.

Stückliste

Pos Benennung Bemerkung
1 Basisplatte: Form mit einer Stichsäge aus einer Platte schneiden Multiplex ( mehrschichtverleimte dicke Platte )
2 Stativbein Leiste ca. 20mm x 15mm
3 Stativbein Leiste ca. 20mm x 15mm
4 Stativbein Leiste ca. 20mm x 20mm
5 Führungsleiste Querschnitt ca. 4mm x 15mm
6 Aluminium Flachmaterial ca. 20-30mm breit 2-3mm dick; Baumarkt
7 Aluminium Flachmaterial ca. 20-30mm breit 2-3mm dick; Baumarkt
8 Leiste Multiplex Querschnitt wie Pos 2 und 3
9 Einschlagmutter Baumarkt; M5
10 Metallscheibe als Auflage für die Schraube Baumarkt
11 Kippklemmhebel alternativ Flügel- oder Sterngriffmuttern
12 Schlossschraube Baumarkt; M6
13 Aluminiumrundmaterial Baumarkt; Durchmesser 6 x 30
14 Schraube ( Flügel oder Sterngriffschraube )

Baumarkt 

Kurz-Beschreibung

Die Basisplatte sollte unbedingt aus einer dicken Multiplexplatte mit Hilfe einer Stichsäge ausgesägt werden. Diese Platte ist das Zentralstück eines Stativs und sollte deshalb sehr stabil ausgeführt werden, mehrschichtverleimtes Multiplexholz ist hierfür die richtige Basis. Aus diesem Material kann man sich auch gleich Streifen sägen lassen, aus welchen dann die Stativbeine werden.
Die Form der Basisplatte erkennt man aus Abb. 2; der Durchmesser des Grundkreises ( ca.80mm ) richtet sich nach dem Stativkopf und dem Querschnitt der Stativbeine. Diesen Grundkreis sollte man sich massstäblich aufzeichnen und daran dann Rechtecke setzen, die der Breite des ausziehbaren Stativfusses ( Pos.4 ) entsprechen . Nach diesen Maßen sägt man dann die Basisplatte aus.

Die Stativbeine läßt man sich am besten schon im Baumarkt auf die Querschnittsmaße und Länge sägen. Den Schnitt B-B sollte man sich wieder massstäblich aufzeichnen, um die exakten Maße der einzelnen Positionen ermitteln zu können.

Die Stativfussklemmung (Abb.3 Schnitt B-B ) besteht aus zwei Aluleisten ( Pos. 6/7 ) und einem Holzklötzchen ( Pos. 8 ). In die Pos.6/7 sollten die Durchgangslöcher ( Siehe Abb. 1 ) für Holzschrauben gebohrt werden, um diese dann mit dem Stativbein Pos. 2 und der Pos. 8 verschrauben zu können. Pos. 8 wird vor dem Verschrauben mit Pos.6/7 in der Mitte mit einer Bohrung versehen für eine Metalleinschlagmutter Pos. 9. Die Klemmschraube ( Pos.14 ) sollte gegen eine Metallscheibe ( Pos. 10 ) drücken, da sie sich sonst ins Holz eingräbt.

Die Stativfussspitzen: In das Stativbein Pos. 4 wird am unteren Ende ein Loch gebohrt, um dort ein Stück Aluminiumrundmaterial (Pos. 13 ) mit 2 Komponentenkleber einkleben zu können. Zuvor wird an die Pos 13 mit einer Feile eine Spitze angefeilt. Hierzu spannt man ein kurzes Stück Rundmaterial in die Bohrmaschine ein und presst eine Feile gegen das rotierende Ende.

Pos. 11: Kippklemmhebel sind nicht unbedingt leicht zu bekommen, sind aber sicherlich das ideale Befestigungselement.
Alternativen:
Normale Muttern verwenden und immer einen Schraubenschlüssel ( mit Klettband am Stativfuss befestigen ), dabei haben - sicherlich nicht die praktikabelste Lösung.
Im Fahrradzubehörhandel gibt es Fahrradschnellverschlüsse: zur schnellen Verstellung von Fahrradsättel, das sind schöne Klemmhebel, die hohe Klemmkräfte ermöglichen.
Bei der Verwendung von normalen Flügelmuttern sollte zusätzlich eine Mittelspinne verwendet werden. Diese kann man einfach mit einer Kette oder über Gurtbänder realisieren. In jedes Stativbein wird in der Nähe der Beinverstellklemmung ein kleiner Haken eingeschraubt und dort die Kette / Gurtband eingehängt.

Tipp 1:
wer gerne einen 2D Neiger einsetzen will und deshalb eine Nivellierungskalotte an seinem selbtsgebauten Stativ braucht, der sollte sich folgendes Bild anschauen. ( Autoscheibenstativ )
Tipp 2:
da das Holzstativ nicht gerade leicht ist, kann man an das Stativbein ein abnehmbares Rad schrauben. Siehe auch "Transport der Fotoausrüstung "
 

Gelesen 4404 mal Letzte Änderung am Dienstag, 27 November 2012 18:38
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